Chrysler-Verkauf vollzogen: Fiat-Chef Marchionne am Ziel

11 06 2009

„Der Einstieg des italienischen Autokonzerns Fiat beim insolventen US-Hersteller Chrysler ist perfekt. Beide Seiten hätten die abschließende Vereinbarung für die Allianz unterzeichnet, teilte Fiat mit. Der drittgrößte US-Autobauer Chrysler firmiert demnach ab sofort unter der Bezeichnung Chrysler Group. Vorstandschef des neuen Unternehmens ist Fiat-Chef Sergio Marchionne. Der Verkauf von Chrysler an das Turiner Unternehmen war durch eine Entscheidung des Obersten US-Gerichts vom Dienstag ermöglicht geworden, das den Einspruch mehrerer Chrysler-Anteilseigner gegen den Deal zurückgewiesen hatte.“

zitiert nach: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/fiatchrysler106.html

Kommentar: „Neuer Herr über Chrysler: Fiat-Chef Marchionne“ lautet der Untertitel des im Artikel präsentierten Fotos von Marchionne. Der Artikel ist ein exemplarisches Beispiel auf welche Weise, die realen Verhältnise durch verkürzte Berichterstattung in den Medien strukturell verzerrt werden. Fiat wird nachweislich von Familie Agnelli, einer der reichsten italienischen Familien, kontrolliert, was auch die ARD durch eine kurze Internetrecherche  ohne Probleme erfahren kann, etwa in Artikeln der Wirtschaftswoche („Fiats Stille Herrscher„) oder des Handelsblattes („Die Stunde des Agnelli Engels„). Mit knapp 30 Prozent ist Familie Agnelli der größter Kapitaleigner. Nach dem Tod von Gianni Agnelli steht ein Generationswechsel an, bei dem vor allem dessen erst 33 jährige Schwiegersohn,  John Elkann, eine Schlüsselrolle zu spielen scheint.

„Öffentliche Auftritte sind ohnehin seine Sache nicht. Der Jung-Manager, dem sein Großvater Gianni Agnelli 2003 am Sterbebett den Auftrag gab, das Familien-Imperium unternehmerisch weiterzuführen, wirkt auch nach fünf Jahren als Vizepräsident des Fiat-Verwaltungsrats noch schüchtern, wenn er vors Publikum tritt.“ (Handelsblatt)

Es hat demnach eine Verschiebung stattgefunden. Im Fokus stehen nicht mehr die Besitzer der Produktionsmittel und des größten Geldkapitals, sondern der Typus des Managers, selbst bei vielen Klassentheoretikern und Marxisten, welche es eigentlich besser wissen sollten. Es gibt eine Debatte über Diäten von Politikern, über die Gehälter und Abfindungen von Managern, aber keine über die Dividenden von Großaktionären. Welche Familien hinter den anonymen Großkonzernen stehen  ist in der Regel den Wenigsten bewusst. Oder wissen sie wem Mc Donalds, die Deutsche Bank oder Coca Cola eigentlich gehören?

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