Joschka Fischer – Vom Steinewerfer zum Schoßhund des Kapitalismus ?

11 07 2009

„1101 New York Avenue gilt in Washington als Vorzeigeadresse. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young residieren hier, die Edel-Anwaltskanzlei Dewey & LeBoeuf hat hier ihr Büro und der US- Ableger der Bertelsmann-Stiftung. Die Büros des nagelneuen Glaskastens bieten Panoramablick, eine Dachterrasse lockt zum Umtrunk mit wichtigen Kunden. „Bobby Van’s Grill“, ein Spesenritter-Treffpunkt, liegt direkt gegenüber. Immer häufiger nimmt ein prominenter deutscher Besucher den Aufzug in den neunten Stock des Gebäudes – zu den Büroräumen der Albright Group LLC, einer Beratungsfirma, die Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright 2001 nach ihrem Ausscheiden aus der Clinton-Regierung gegründet hat. Der Gast ist selber Ex-Außenminister: Joschka Fischer. Seit dem Kosovo-Krieg 1999 verbindet Albright und Fischer eine enge persönliche Beziehung. Fischer huldigte der mächtigen Amerikanerin. „Madeleine, Du bist die letzte verbleibende Supermacht“, flötete er. Die gelernte Professorin war ihrerseits begeistert von der schillernden Vita des Studienabbrechers und Ex-Steinewerfers. Eine der Telefonschalten mit Fischer während des Krieges begann Albright mit dem Hinweis, sie habe gerade „den Artikel über Dich im New York Times Magazine“ gesehen. Die Außenminister von Italien, Frankreich und Großbritannien mussten dem Turteln stumm zuhören. Jetzt werden die beiden Diplomaten-Freunde Geschäftspartner. Die Albright Group gab bekannt, dass Fischer bei ihr einsteigt. Von deren Website lächelt er bereits, neben einer Kurzbiographie, die seine Unterstützung für den deutschen Militäreinsatz im Kosovo hervorhebt und Fischer als einen der einflussreichsten deutschen Grünen preist. Klangvoller neuer Jobtitel: „Senior Strategic Counsel“. (…) Genau wie sein Kanzler Gerhard Schröder hat sich auch Fischer gleich nach dem Machtverlust ans Geldverdienen gemacht – nur ging er dabei diskreter zu Werke. Statt in die Dienste des russischen Energieriesen Gazprom zu treten, gründete der Grüne die Joschka Fischer Consulting, die vom Souterrain seines Hauses aus die Auftritte des Ex-Ministers managt. Mal redet Fischer heute auf einem Kongress in Dubai, mal vor baden-württembergischen Sparkassenkunden. Dafür gibt es meist ein stattliches Honorar. Dazu kommen Einnahmen aus seiner Tätigkeit als Autor. Seine Memoiren der rot-grünen Regierungszeit schreibt er in zwei Bänden, da klingelt die Kasse doppelt. Für das internationale „Project Syndicate“ verfasst er eine monatliche Kolumne, die rund um die Welt in Zeitungen gedruckt wird. Dass Fischer mehr verdienen dürfte als zu Ministerzeiten, ist mit bloßem Auge zu erkennen. Seine elegante Villa in Berlin-Grunewald würde als Residenz jedem kleineren europäischen Staat zur Ehre gereichen. Seinen 60. Geburtstag feierte Fischer standesgemäß mit 120 Gästen in einem trendig-teuren Berliner Restaurant. Über Geld sprechen mag der Grüne aber nicht. Als er 2006 sein Abgeordnetenmandat abgab, sagte er, er tausche „Macht gegen Freiheit“. Rechenschaft über Finanzen, pflegt Fischer zu scherzen, sei er nur noch seinem Steuerberater schuldig. Und so schweigt er auch zu seinem jüngsten Engagement. Kein Kommentar, keine Erklärung. Fragen Sie doch die Albright Group, so Fischers Botschaft.“

zitiert nach: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,580872,00.html

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