Theorien

Das IPSR ist als Ort konzipiert an dem Forscher/innen  vieler Theorieschulen in einen Diskurs eintreten können. Es geht also nicht darum dogmatisch einem Ansatz zu huldigen, sondern vielmehr jenseits dieser Präferenzen einen sachlichen Diskurs zu fördern. Diese Pluralität hat den Vorteil, dass Phänomene aus verschiedenen Perspektiven untersucht werden können und dadurch leztlich ein umfassenderes Wissen über das Phänomen selbst generiert werden kann. Domhoff unterscheidet dabei 5 Theorieschulen, welche den Diskurs der Power Structure Research prägen (vgl. Domhoff 2005).  Dies sind:

  1. Die Theorie des Pluralismus
  2. Die Theorie der State Autonomie
  3. Die Elitetheorie
  4. Der Marxismus
  5. Die Four Networks Theory

Diese fünf Theorieschulen versuchen auf der Grundlage unterschiedlichen Grundannahmen, mit sozialwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden gesellschaftliche Phänomene zu erforschen. Gleizeitig enthält die von Domhoff aufgestellte Kategorisierung unüberbrückbare Probleme, da einzelne Forscher sich of nicht in dieses Schema pressen lassen und zudem etwa die Elitentheorie sowohl pluralische Vertreter etwa die Theorie der Leistungs- und Funktionseliten, als auch Netzwerktheorienund andere umfasst. Nichtsdestototz lassen sich grobe Argumentationsmuster unterscheiden.

Während Pluralismustheorien die Pluralität gesellschaftlicher Machtzentren, nur schwach ausgeprägte Netzwerke von Eliten und eine offene Elitenstruktur betonen, kristallisieren die andere Theorien deutliche Machtzentren heraus. Die Theorie der Staatsautonomie und die meisten Politikwissenschaftlichen Theorien verorten Macht vor allem im politischen Bereich einer Gesellschaft und betont deshalb die Regierungen, Parlamente und Parteien als gesellschaftliche Machtzentren. Marxistische Theoretiker betonen hingegen die Wirtschaft als dominanten Bereich. Die Machtzentren der Gesellschaft seien demnach vor allem Konzerne, Großaktionärsfamilien, Manager sowie andere Wirtschaftsvereinigungen, wobei der Staat stets in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Wirtschaft stehe. Theorien der Machteliten und die Netzwerktheorien betonen hingegen, dass Macht sich vor allem in gesellschaftlichen Netzwerken konzentriert, welche mehrere gesellschaftliche Bereiche verlaufen. Eine weitere für die PSR bedeutende Grundform der zwar nicht wissenschaftlichen aber durch aus für die Wissenschaft relevanten, Theoriebildung ist die Form der Verschwörungstheorien. Beschäftigt man sich mit PSR, so wird man früher oder später mit Verschwörungstheorien in Kontakt kommen. Diese Theorien betrachten einzelne Seilschaften als gesellschaftliches Machtzentrum  eines geschlossenes Elitensystems, in dem die Akteure die Strukturen dominieren. Insbesondere in den USA, aber auch zunehmend in Deutschland, verbreiten sich Verschwörungstheorien, die insbesondere von jungen Menschen zunehmend als in sich geschlossene Weltdeutungssystem übernommen werden und große Gefahrenpotentiale in sich bergen. Verschwörungstheoretiker sprechen zunächst anderen Akteuren (etwa der Regierung, den Medienkonzernen, der Religion oder der Wissenschaft) einen Anspruch auf  „Wahrheit“ ab. In dieses Vakuum rückt eine Alternativerklärung. Während die „offizielle Erklärung“ aus zahlreichen Perspektiven kritisiert wird, erfährt die Alternativklärung, diese Behandlung häufig nicht, sondern wird in ihren Grundzügen verinnerlicht. Wenn es nicht stimmt das Kennedy von Oswald erschossen wurde, wer war es dann? Die (Schatten)Regierung? Die CIA? Die Kubaner? Die Mafia? Alle zusammen? Und genau hier liegt der Knackpunkt. Verschwörungstheorien können eines sehr gut: Offiziell verlautbarte „Wahrheiten“ diskreditieren. Was Verschwörungstheorien meistens nicht gut können ist ihr Erklärungsmodell mit wissenschaftlichen Methoden  zu beweisen.

Quellen

Domhoff, William (2005): Alternative theoretical views. http://sociology.ucsc.edu/whorulesamerica/theory/alternative_theories.html




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